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  • Alexander Keck

Was bedeutet Corona für Unternehmer finanziell?

Corona hat schon jetzt einen beträchtlichen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Auch in Deutschland wird das öffentliche und damit auch geschäftliche Leben starke Einschränkungen erfahren - und so wie es aussieht über mehrere Monate.


Als Unternehmer überlege ich: Was heißt das für mich und mein Unternehmen? Wie stabil bin ich aufgestellt? Wo liegen meine Risiken? Was kann ich tun?


Als Business Coach für Finanzen & Controlling überlege ich auch, was das für andere Unternehmer finanziell bedeutet und wie sie der wahrscheinlichen Krise begegnen können.


Dieser Text soll mir helfen, das Thema zu durchdringen. Ich freue mich, wenn ich damit auch anderen Unternehmern helfen kann, die richtigen Fragen zu stellen und Antworten zu finden.


Vorab möchte ich Dich und mich an das weise Motto von Douglas Adams’ “Per Anhalter durch die Galaxis” erinnern: Keine Panik! Aber habe immer ein Handtuch dabei. Heißt so viel wie: Sei auf alles vorbereitet.


Zur Einschätzung der Situation, des Risikos und der Planung möglicher Maßnahmen stelle ich im Folgenden vier Fragen:


  1. Wie schnell wird es Dein Unternehmen treffen?

  2. Wie verwundbar ist Dein Unternehmen?

  3. Welche Maßnahmen kannst Du als Unternehmer jetzt treffen?

  4. Welche Chancen bieten sich für Dein Unternehmen durch die Krise?



Frage 1: Wie schnell wird es Dein Unternehmen treffen?


Direkt betroffen sind alle Unternehmen, deren Geschäft von einem funktionierenden öffentlichen Leben abhängt. Unternehmen im Bereich Veranstaltungen und Tourismus spüren schon jetzt die Auswirkungen. Wenn Dein Unternehmen etwas mit Hospitality zu tun hat, dann wird es Dich mit zuerst treffen.


Auch in anderen Branchen kannst Du davon ausgehen, dass Konsum- und Investitionsentscheidungen vorerst verschoben werden. Schon beschlossene Projekte werden pausiert werden. Es wird deutlich schwieriger werden, neue Kunden zu gewinnen.

Für alle Unternehmer, deren Geschäft nicht direkt betroffen ist, stellt sich die Frage des Grades der Abhängigkeit der Wertschöpfungskette. Inwieweit werden Deine Kunden betroffen sein? Und deren Kunden? Und deren Kunden?


Ganz entscheidend ist natürlich, wo Du in der Prioritätenliste Deiner Kunden stehst. Bist Du stark in die Infrastruktur oder die Geschäftsprozesse Deiner Kunden integriert, kannst Du wahrscheinlich erstmal durchatmen. Wenn Du im Projektgeschäft bist, dann ist Deine Situation unsicherer.


Ich persönlich suche den aktiven Dialog mit meinen Kunden, um deren Situation und Überlegungen besser zu verstehen. Ich werde meine Wertschöpfungskette gut beobachten und versuche, einen vorgelagerten Indikator zu identifizieren, der mich vor der Druckwelle warnt.



Frage 2: Wie verwundbar ist Dein Unternehmen?


Die kurze Antwort auf diese Frage bietet das Verhältnis von Fixkosten und Liquiditätsreserve. Wie lange kannst Du Deine Fixkosten aus Deinen Barreserven finanzieren? Das ist Deine minimale Überlebensdauer im allerschlimmsten Fall, wenn Dein Geschäft total zusammenbrechen sollte und auch keine Deiner Forderungen mehr bezahlt werden.


Ansonsten gilt, dass Du weniger verwundbar bist, wenn…

  • Deine Fixkostenquote möglichst gering ist (d.h. der Anteil variabler Kosten hoch ist).

  • Du möglichst langfristige Kundenverträge hast.

  • Deine Zahlungsziele kurz sind.

  • Deine Vertrags- bzw. Preisstruktur wenig variabel ist (hohe Grundgebühren und niedrige variable Gebühren).




Frage 3: Welche Maßnahmen kannst Du als Unternehmer jetzt treffen?


Zurückkommend auf das Verhältnis von Fixkosten und Barreserven gilt es, die Barreserven zu erhöhen und Fixkosten zu senken.


Schritt 1: Erhöhe Deine Barreserven:


  • Sorge dafür, dass Du eine verlässliche Liquiditätsplanung hast, mit der Du auch verschiedene Szenarien durchspielen kannst.

  • Stelle alle Rechnungen so schnell wie möglich. Prüfe, welche schon abgeschlossenen Leistungen Du noch nicht fakturiert hast und hole das umgehend nach.

  • Stelle bei allen Projekten Zwischenrechnungen wo immer möglich.

  • Setze die Zahlungsziele so kurz wie möglich.

  • Betreibe ein konsequentes Mahnwesen und treibe Deine offenen Forderungen ein.

  • Prüfe möglichst früh, ob Factoring für Dich in Betracht kommt. Bei erhöhten Zahlungsausfällen wird natürlich auch Factoring schwieriger und teurer.

  • Versuche, Deine Kreditlinien zu erhöhen.

  • Prüfe, welche Fördermittel in Betracht kommen und stelle schnellstmöglich entsprechende Anträge.


Die Bundesregierung hat umfassende Liquiditätshilfen angekündigt mit vereinfachter Antragstellung und schnelleren Verfahren. Das wird die Situation hoffentlich stark beruhigen.

Dennoch würde ich damit starten, meine unternehmerischen Hausaufgaben zu machen. Das ist eine gute Gelegenheit, das eigene Cash Management in Ordnung zu bringen und bessere Gewohnheiten einzuführen.


Schritt 2: Gewinne einen Einblick in Deine Personalkosten und die Situation Deiner Mitarbeiter.


  • Prüfe die Regelungen des Kurzarbeitergeldes und der Anwendbarkeit auf Dein Unternehmen. Kurzarbeit heißt wirklich eine Verkürzung der Arbeitszeit. Die Stunden müssen nicht auf Null reduziert werden. Du kannst die Kurzarbeit also recht flexibel nach den betrieblichen Anforderungen gestalten. Die Bundesregierung hat eine Vereinfachung des Zugangs zum Kurzarbeitergeld beschlossen. Beschäftigte in Kurzarbeit erhalten 60% des ausfallenden Netto-Entgelts für bis zu 12 Monate, Beschäftigte mit Kindern erhalten 67%. Auch Sozialversicherungsbeiträge sollen übernommen werden. Kurzarbeit kann auch für Mitarbeiter in Teilzeit beantragt werden.

  • Sprich mit Deinen Mitarbeitern und versuche, deren persönliche Situation zu verstehen. Welche Mitarbeiter können Lohnausfälle bei Kurzarbeitergeld relativ leicht verkraften und welche nur schwer? Welche Mitarbeiter freuen sich über eine reduzierte Arbeitszeit (z.B. weil sie schon immer einen Dystopie-Roman schreiben wollten)?

  • Gewinne einen Überblick über mögliche Weiterbildungsmaßnahmen. Auch dafür werden die gesetzlichen Regelungen und Zuschüsse verbessert. Welche Weiterbildungsmaßnahmen für Deine Mitarbeiter hattest Du eh schon geplant? Welche Mitarbeiter wollten schon länger eine (Online-) Weiterbildung machen?

  • Vergiss nicht, dass Du auch Verantwortung für Deine festen freien Mitarbeiter hast. Während Deine Festangestellten im Ernstfall durch Kurzarbeitergeld (und Arbeitslosengeld) vorerst abgesichert sind, sind die freien Mitarbeiter oft schutzlos.


In Krisenzeiten ist klare und verlässliche Kommunikation wichtiger denn je. Dein Verhalten in kritischen Situationen wie diesen wird das Verhältnis zu Deinen Mitarbeitern nachhaltig prägen. Du kannst Vertrauen und Loyalität aufbauen oder verlieren. Wenn Du ihnen nicht das Gefühl gibst, die Mannschaft auch bei stürmischer See mit ruhiger Hand zu führen, werden sie sich nach dem Sturm im nächsten Hafen einen neuen Kapitän suchen.


Denke auch immer an die Zeiten nach der Krise. Wenn Du Deine (freien) Mitarbeiter und Lieferanten im Stich lässt, wird der Neustart schwerer.


Schritt 3: Gewinne einen Überblick über Deine Fixkosten:


  • Sorge dafür, dass Deine Buchhaltung auf dem aktuellen Stand ist. Nur dann hast Du einen vernünftigen Einblick in Deine betriebswirtschaftliche Situation. Auch für Fördermittelanträge benötigst Du aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen.

  • Bewerte alle Kosten im Unternehmen nach Wichtigkeit (wie essentiell ist der zugrundeliegende Mehrwert) und Vorlaufzeit (wie lange dauert es, bis die Kostensenkung bei Dir ankommt).

  • Erstelle darauf aufbauend eine Prioritätenliste und einen Eskalationsplan: In welcher Reihenfolge und zu welchem Zeitpunkt planst Du, welche Ausgaben zu reduzieren?

  • Versuche, aus fixen Kosten variable zu machen, indem Du Abnahmeverpflichtungen reduzierst und kürzere Laufzeiten vereinbarst.

  • Reduziere alle Kosten, die Dir schon jetzt keinen Mehrwert bringen (z.B. Softwarelizenzen für Mitarbeiter, die schon länger nicht bei Dir arbeiten).


Schritt 4: Bewerte Deine Auftragspipeline:


  • Welche Auswirkung hat die Krise auf Deinen Auftraggeber und den Auftrag bzw. das Projekt. Klettert das Projekt in der Priorisierung Deiner Auftraggeber nach oben oder rutscht es nach unten?

  • Wie abhängig bist Du von Input und Zuarbeit Deiner Auftraggeber? Werden Deine Ansprechpartner jetzt mehr oder weniger Zeit für Euer Projekt haben?




Frage 4: Welche Chancen bieten sich für Dein Unternehmen durch die Krise?


Kannst Du in der Krise expandieren?


Wenn Du hohe Barreserven und eine gute Kostenstruktur mit hohem Anteil variabler Kosten hast, stehst Du wahrscheinlich besser da als Dein Wettbewerb. Wenn Dein Wettbewerb gezwungen ist, Kosten für Marketing und Vertrieb drastisch zurückzufahren, kannst Du zu guten Konditionen Deine Marketing- & Vertriebsaktivitäten hochfahren und Marktanteile gewinnen.


Kannst Du Deinen Kunden durch die Krise helfen?


Auf der Hand liegen die Chancen natürlich für alle, die Remote Work und Remote Learning ermöglichen (Glückwunsch, CareerFoundry).


Vielleicht hast Du ja Produktlinien oder Services im Portfolio, die in Krisenzeiten höhere Relevanz haben als sonst. Oder Du kannst schnell solche Produkte entwickeln und machst Dein Unternehmen damit krisensicher.


Mein Fokus als Business-Finanzcoach ist normalerweise die Einführung guter Finanzprozesse, die Verbesserung der Abstimmung mit der Buchhaltung und das Aufbauen eines aussagekräftigen Controllings. Jetzt sehe ich es als meine vordringliche Aufgabe, meinen Kunden durch die Krise zu helfen. Das heißt ich unterstütze meine Kunden, passende Antworten auf die in diesem Beitrag aufgeworfenen Fragen zu finden und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.


Kannst Du Dich für den kommenden Aufschwung gut vorbereiten?


Wenn sich das Geschäft verlangsamt, ist das immer auch eine gute Gelegenheit für alle wichtigen Dinge, die sonst immer liegen bleiben.


Nutze die Zeit,

  • Deine Prozesse glatt zu ziehen (z.B. im Bereich Finanzen, Buchhaltung und Controlling)

  • offene Themen in der Organisationsentwicklung voranzutreiben

  • Deine Mitarbeiter und Dich weiterzubilden

  • strategische Projekte anzugehen (z.B. Produktentwicklung, strategische Kommunikation)


Wenn Du es Dir leisten kannst, hast Du jetzt die Chance, Deine freien Mitarbeiter langfristig an Dein Unternehmen zu binden. Auch diejenigen, die sich eigentlich nicht anstellen lassen wollten, kommen jetzt vielleicht gerne in Dein warmes Nest.




Fazit


Lamentieren hilft nichts. Panik auch nicht. Bleibe ruhig, bewerte Deine Lage, bereite Dich vor. Nutze die Situation und mache das Beste daraus.


Krisen sind wie starke Kontrastmittel. Sie legen Stärken und Schwächen schonungslos offen - Deine und die Deines Unternehmens. Erkenne Deine Stärken und Schwächen und halte Dich an den Leitsatz meines Mentors Henri Kühnert: “Stärke Deine Stärken und kompensiere Deine Schwächen.”


In Zeiten der Unsicherheit gilt es mehr denn je, proaktiv, klar und verlässlich zu kommunizieren - mit Deinen Mitarbeitern, Partnern, Kunden und Lieferanten. Stärke Deine Beziehungen und bleibe ein ehrbarer Kaufmann!